Januar 2003

Mitgliederversammlung des Heimat- und Kulturverein Ostertal

Arbeitsreiches Jahr - Mehr als 70% der Ostertal-Chronik III verkauft

 

Niederkirchen. Bei der Generalversammlung des Heimat- und Kulturvereins Ostertal im Gasthaus Gerhart in Hoof hielt der erste Vorsitzende Hans Kirsch (Selchenbach) Rückschau auf ein arbeitsreiches Jahr 2001. Höhepunkt war sicher die Fertigstellung des dritten Bandes der Ostertal-Chronik im November 2001. Acht Jahre lang habe man daran gearbeitet. Mehr als sechs Jahre hätte allein die Erforschung der Heimatgeschichte gedauert. Auf rund 800 Seiten habe man die Geschichte des Ostertals, eingebettet in die große Weltgeschichte, von der Französischen Revolution bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges festgehalten. Bei einer Auflage von 1200 Stück habe man über 70 Prozent der Bücher bei einem Verkaufspreis von 39 Mark beziehungsweise 20 Euro preisgünstig an den Mann gebracht. Dank der Unterstützung von Sponsoren, Organisationen, Behörden und Banken habe man die Finanzierung sichern können. Auf das gelungene Gemeinschaftswerk könne man stolz sein, meinte Kirsch. Die Präsentation des Buches sei in einem ansprechenden äußeren Rahmen und einer anspruchsvollen musikalischen Gestaltung durch Karl Gerd Schäfer unter der Moderation des zweiten Vorsitzenden Harry Drumm erfolgt. Die Laudatio auf das gelungene Werk und die beiden Autoren Klaus Zimmer und Hans Kirsch habe Dieter Bettinger gehalten.

 

Kirsch gab dann einen Rückblick auf die weiteren Aktivitäten des Heimatvereins im Jahr 2001. Der Verein zähle 73 Mitglieder. Die traditionelle Wanderung habe im Mai von Niederkirchen über Hoof nach Selchenbach geführt. An verschiedenen Stellen sei dabei die Geschichte wieder lebendig geworden. Harry Drumm habe einen Tagesausflug organisiert, der zur Edelsteinmine bei Algenrodt, ins Edelsteinmuseum nach Idar-Oberstein und nach Herrstein führte. Dort habe man den Altstadtkern mit prächtigen Fachwerkbauten und den Schinderhannesturm besichtigt.

Ein besonderes Ereignis sei die Präsentation der sechs St. Wendeler Heimatvereine im Rahmen des Forums Geschichte im Mia Münster-Haus, verbunden mit verschiedenen Vortragsveranstaltungen, gewesen. Die Vereine hätten Einblick in ihre Aktivitäten gegeben. Der Heimatverein Ostertal stellte sich mit den Sparten „ Familienkunde“ und „Wandermusikanten“ vor. Vom Fachlichen her sei die Veranstaltung vollauf gelungen, meinte Kirsch, wenn auch der Besucherstrom mit rund 500 an vier Tagen etwas verhalten gewesen sei. Nach dem Erscheinen des dritten Chronikbandes seien aus der Bevölkerung noch verschiedene Informationen an die Autoren herangetragen worden, die einige Ergänzungen im nächsten Band erforderlich machten. Die Forschungen zum vierten Band seien bereits in vollem Gange. Klaus Zimmer mache seit Wochen Interviews mit Teilnehmern des Zweiten Weltkrieges. Er sammle Kriegserlebnisse, darunter auch von Frauen, die im Einsatz waren, und von Fremdarbeitern in Deutschland.

Ferner berichtete Kirsch von weiteren Aktivitäten des Vereins. Man habe Anträge auf Grabungen in Alt-Bubach beim Landkreis St. Wendel und dem Staatlichen Konservatoramt Saarbrücken gestellt. Dabei handle es sich um ein historisches Siedlungsgebiet an der Schinderswiese und am Heidenbösch aus der Kelten- und Römerzeit. Der Bubacher Ortsrat habe bereits 1977 Grabungen angeregt, nachdem in einem Krater von zwei Meter Tiefe Mauerreste und in einem Erdtrichter von 3,50 Meter Tiefe ein Mühlenstein gefunden worden seien sowie zahlreiche Scherben aus der Römerzeit. Zum Thema „ Mundart“ habe man eine professionelle Studie bei Rudolf Post von der Universität Freiburg zur Erforschung des Ostertaler Dialekts von früher (1887) und heute in Auftrag gegeben. Kirsch sagte, die Mundart verändere sich dauernd. Deshalb sei es ein lohnendes Projekt, die Mundart der Vergangenheit aufzuarbeiten und mit der neuen Mundart zu vergleichen. Gemeinsam mit der Protestantischen Kirchengemeinde Niederkirchen wolle man die Magisterarbeit von Roman Ziskoven, gebürtig aus Saal, über „Die Protestantische Kirche in Niederkirchen in kunsthistorischer Hinsicht“ in den „Westricher Heimatblättern“ veröffentlichen. Klaus Zimmer beurteilte diese Arbeit überaus positiv. Deshalb wolle man sie der Bevölkerung zugänglich machen. Elvira Fuhr aus Hoof überließ dem Heimatverein eine mehr als 100-jährige Trompete. Mit diesem Instrument, hergestellt von der Firma Pfaff, heute bekannt als Nähmaschinenfabrik, sei ein Vorfahre ihres Mannes bereits 1875 in Europa auf Wanderschaft gezogen. Der Verein ließ das Instrument reparieren und funktionstüchtig machen. Walter Harth entlockte ihm einige Töne und demonstrierte seine Funktionsfähigkeit. Es sei ein wertvolles Stück aus der Ostertaler Vergangenheit und der Geschichte der Wandermusikanten, sagte Kirsch.

Alwin Müller berichtete von den zeitaufwendigen Forschungsarbeiten der Familienkundler. Man baue auf die Veröffentlichung der Daten von August Trautmann aus Saal bis in die späten 60er Jahre und erhalte heute auch viele Daten durch weltweite Kontakte durch die modernen Kommunikationsmöglichkeiten. Die Ergebnisse der Familienforschung sollen voraussichtlich bis zum Jahr 2005 in Buchform veröffentlicht werden.

Rechnerin Brigitte Wailersbacher berichtete über die Einnahmen und Ausgaben des Vereins. Kassenprüfer Walter Cullmann bestätigte ihr eine ordnungsgemäße Kassenführung, es gebe keinerlei Beanstandungen und ließ dem Vorstand Entlastung erteilen.

Der Vorsitzende Hans Kirsch gab noch die geplanten Aktivitäten 2002 bekannt. Ein zweitägiger Ausflug ist am 29. und 30. Juni nach Backnang geplant. Dort besuche man das deutsch-ungarische Museum und die Bevölkerungsgruppe ehemaliger Ungarn-Auswanderer um Peter Glöckner. Eine Besichtigung der Ottweiler Altstadt unter der Führung von Dieter Bettinger findet am 24. August statt. Die jährliche Wanderung ist im Oktober vorgesehen. Ein neues Gebiet will der Heimatverein für die Ostertaler Bevölkerung mit Literatur-Lesungen angehen. Zum Thema „Mundart“ sollen Adelinde Wolff aus Werschweiler und Gerd Krieger aus Kusel als Referenden verpflichtet werden. Ein Termin steht noch nicht fest.

Der Vorstand setzt sich wie folgt zusammen:

Erster Vorsitzender Hans Kirsch (Selchenbach)
Zweiter VorsitzenderHarry Drumm
Rechnerin Brigitte Wailersbacher
zweiter Rechner Harry Weber (alle Niederkirchen)
Schriftführer Rüdiger Drumm (Marth)

Beisitzer mit besonderen Aufgaben in den einzelnen Orten:
Bubach: Walter Harth
Hoof: Karl Müller
Marth: Rüdiger Drumm
Niederkirchen: Ewald Wailersbacher
Osterbrücken: Karl Deckarm
Saal: Hans Kirsch
Selchenbach: Marianne Kirsch

Kassenprüfer: Walter Cullmann (Hoof) und Manfred Harth (Selchenbach)

 

Bilder der Veranstaltung: