Januar 1996

St. Wendeler Stadtrundschau, 10./11.01.1996

Spurensicherung nach 52 Jahren

Schrift über das Jahrhundert-Ereignis in Bubach, die Bomber-Notlandung, wurde vorgestellt

rpd. Bubach im Ostertal. “Es gab ein rüttelndes, donnerndes Krachen, das anscheinend eine Ewigkeit dauerte. Wir wurden im Rumpf hin und her geworfen, flogen in einem Knäuel durcheinander und landeten alle ausgestreckt auf einem Haufen. Mein Kopf wurde im Fallschirm auf meinem Brustkorb eingequetscht, und ein wahres Feuerwerk ging in ihm hoch. Die fliegende Festung würde nie wieder fliegen. Sie hatte eine lange Furche in den Boden eines Berghanges gepflügt, wo es verstreut Bäume gab, und hatte Wolken von Ackerboden und Trümmern in die Luft aufgewirbelt..."

So beginnt der Bericht von Edward D. McKenzie, des Kugelturmschützen der „Fliegenden Festung" des Typs B 17 G, die am 24. April 1944 — ein Jahr vor Klaus Zimmer stellte ein Modell der “Fliegenden Festung" vor, die am 24. April 1944 auf dem Buberg notlandete.

McKenzies Bericht ist abgedruckt in einer Broschüre, verfaßt von Klaus Zimmer, einem “Ostertaler Bub", und eben jenem Ed McKenzie. Die Dokumentation wurde vom Heimat- und Kulturverein Ostertal e. V. herausgegeben und am Sonntag im Bubacher Vereinsheim auf dem Buberg vorgestellt.

Weit über hundert Interessenten lauschten den Ausführungen des Vereinsvorsitzenden Hans Kirsch aus Selchenbach und des Autors Klaus Zimmer, des Luftkriegsexperten Werner Eckel aus Limbach bei Homburg und des Historikers Roland Geiger aus St. Wendel, der sich besonders mit dem Verlauf der Kämpfe gegen Ende des Krieges im Raum St. I Wendel befaßt hat. Viel Beifall erhielt “Flieger-Opa" Julius Scheid aus St. Wendel für sein emotionales Bekenntnis zur Fliegerei. 

Hans Kirsch- begrüßte “ältere Leute, die damals Augenzeugen der Notlandung waren oder sich später das Flugzeug angesehen haben". Freunde der Fliegerei und Geschichtsinteressierte. Verständnis bekundete er mit jenen, “die mit Bitternis an die damalige Zeit zurückdenken, an die Bomben, die fielen, an die Jabos, die schössen, an die zerstörten Häuser, an tote oder verletzte Angehörige oder Freunde".

“Es war eine schwere Zea damals, eine Zeit, in der beide Seiten dem Gegenüber oft Schlimmes antaten, auch antun mußten", so Kirsch. “Denn es war Krieg, ein Krieg, den es nie wieder geben möge und gegen den wir uns wenden müssen mit allem, was uns zur Verfügung steht. Und wenn diejenigen, die früher aufeinander schießen mußten, jetzt, nach dem Krieg, die Möglichkeit haben, in Frieden miteinander zu reden, dann sollte man dieses Angebot annehmen. Dazu wollen wir ein Forum bieten!"

Durch die “rastlose Forschungsarbeit" von Klaus Zimmer habe man Kontakt aufnehmen können mit vier Besatzungsmitgliedern jenes Flugzeuges, das am 24. April 1944 auf dem Buberg notlanden mußte. Diese vier Männer. hätten das Angebot des Heimat- und Kulturvereins zum Kennenlernen angenommen. Zu einer Begegnung mit ihnen komme es im Frühsommer. Hans Kirsch verlas das Grußwort, das Pilot Dick Anthony, Heckschütze John C. Blaylock, Rumpfturmschütze Ed Kolber und Kugelturmschütze Ed McKenzie zur Vorstellungsveranstaltung geschickt hatten.

“Ihre Rekonstruktion der letzten Tage und Stunden einer bestimmten Fliegenden Festung und ihrer Besatzung ist ausgesprochen exakt", heißt es darin. Die Luftschlacht, der Absturz und die Inhaftierung waren schreckliche Erfahrungen, mit denen keineswegs angenehme Erinnerungen verknüpft sind. Ihr Interesse daran und Ihre freundlichen Bemühungen um historische Spurensicherung werden von uns jedoch lebhaft begrüßt. Wir freuen uns schon riesig darauf. Sie persönlich kennenzulernen und Ihre Gegend zu besuchen!" Hans Kirsch teilte der Versammlung mit, daß an dem Treffen im Sommer auch der Pilot des deutschen Jagdflugzeuges teilnehmen werde, der den amerikanischen Bomber am 24. April 1944 zur Notlandung zwang: Hans Berger (72), der heute in München lebt.

 

Bilder der Veranstaltung:

Vorstellung FF01
Am Rednerpult: Hans Kirsch

 

Vorstellung FF02
Mitautor Klaus Zimmer erklärt die Eigenschaften einer Fliegenden Festung
Links Luftkriegshistoriker Werner Eckel

 

Vorstellung FF03
Publikum

 

Vorstellung FF04
Hinten: Heimatforscher Roland Geiger

 

Vorstellung FF05
Publikum

 

Vorstellung FF06
Publikum